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Inzwischen gibt es die Texte und Bilder mit meinem Blick auf Israel und so einigem, was damit zu tun hat, seit mehr als sechs Jahren. 2019 hatte ich mir mit Eintritt in den Ruhestand einen alten Traum erfüllt: Nachdem ich 1992/93 einige Monate Sabbat-Urlaub in Jerusalem und im Land verbracht hatte, wollte ich das wiederholen. Ich mietete für 12 Wochen ein Zimmer bei den deutschen Archäologen auf dem Ölberg mit herrlichem Blick über die Judäische Wüste, zum Toten Meer bis Amman in Jordanien. Ein bisschen Heimweh zieht immer mit und so saß ich gerne im Garten des Cafés von Auguste Victoria und habe meine Erlebnisse, Gedanken und Bilder als Whats-App-Texte an Sylvie in Karlsruhe geschickt, die seit dieser Zeit für die ästhetische Gestaltung dieses Blogs sorgt. Schön, aber auch schmerzhaft sind diese Erinnerungen, denn ich war viel mit meinem tschechischen Freund Sam unterwegs, der als Pfarrer der Böhmischen-Brüder-Kirche einen Sabbat-Urlaub hatte. Ein Jahr später ist er an einer Krebserkrankung gestorben. Unsere „deutsch-tschechischen Exkursionen“ mit ihm sind unvergesslich.
Bald nach der Rückkehr brach Covid aus und viel Home-Office war angesagt. Es wurde die Gelegenheit, die Geschichte von Jochanan zusammen zu stellen. Ich hatte im Januar 2020 noch einmal vergeblich versucht, ihn zu besuchen. Nachdem der Kontakt zu seinen Kindern hergestellt war, konnte ich im Februar/März 2023 als Gast bei seinem Sohn Gabi lange und gründlich recherchieren und im Oktober 2024 ist dann endlich das Buch " Von Karl-Heinz zu Jochanan: Der Weg eines Mannheimer Jeckes"
erschienen. Diese Wochen war auch die Zeit der großen Proteste gegen Netanjahu und seine Angriffe auf den Rechtsstaat. Ich habe im Grunde nur Leute getroffen, die gegen ihn waren und sind. In Jerusalem gab es nur einen kurzen Besuch, dort ist die Lage anders.
Dann kam das Massaker der Hamas am 7. Oktober, nichts war mehr wie vorher. In den Texten zwischen den Besuchen in Israel habe ich immer versucht, mich mit dem politischen, religiösen, kulturellen Zeitgeist auseinander zu setzen, immer unter dem Vorzeichen der Solidarität mit Israel. Im Buch habe ich es „Personalräson“ genannt. Das ist und bleibt so, gerade auch nach der Reise im September 2025, als Israel auch militärisch unter Beschuss war, und wir das Gefühl hatten, die einzigen Besucher im Land zu sein.
Die Lage ist und bleibt kompliziert, die Politik Netanjahus driftet immer weiter Richtung Rechts und Gewalt, sein und Trumps Krieg mit dem Iran wird nichts besser machen, der Antisemitismus wird weiter grassieren. Aber: Orban ist weg, vielleicht haben Recht und Demokratie doch eine Zukunft. In diesem Sinne wird es hier weiter gehen.
April 2026
Heinz Sigmund
Am Samstag, den 2. Mai, erschien in der „Rheinpfalz“ ein schöner und interessanter Artikel über einen Besuch aus Israel in Ludwigshafen. Elie Avidor aus Tel Aviv begab sich am Schluss einer Rundreise durch Deutschland auf die Suche nach seinen familiären Wurzeln. Sein Vater Emanuel Feist Händler hatte 1934 die Aliya nach Palästina gemacht, um den Nazis zu entkommen.
Zusammen mit seinem palästinensischen Partner Sayel Jasareen hatte Elie in Berlin, Hannover, Bremen, Aachen, Köln und anderen Städten zwei Wochen lang die Arbeit von „Combatants for Peace“ (CfP) vorgestellt und um Solidarität und Unterstützung geworben. Der deutsche Botschafter in Israel Steffen Seibert unterstützt diese Arbeit und hatte den Kontakt zu Anette Weber, Redakteurin bei der „Rheinpfalz“ hergestellt. Ich hatte Gelegenheit, Elie bei seiner „Nach-Cousine“ Doris Diamant in Mannheim zu treffen und brachte ihn am 1. Mai zum Rückflug nach Frankfurt. Die Zeit war kurz, aber ich konnte doch wieder einige aktuelle Eindrücke über Israel sammeln.
Nun hat es doch wieder zwei Monate gedauert seit dem letzten Blogeintrag. Ich habe seit 6 Wochen ein künstliches Sprunggelenk und bin erst jetzt wieder richtig in der Senkrechten. Aktuell ist natürlich trotz Waffenstillstand der Iran-Krieg im Fokus im Blick auf Israel. Die Hisbollah im Libanon zeigt sich erstaunlich kampfbereit nach den massiven Schlägen im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. Der vielbeschworene Flächenbrand lodert und hat seine Auswirkungen auf Tankstellen und Weltwirtschaft. Im Herbst sollen Wahlen zur Knesseth sein, die Netanjahu wohl mit allerlei Mitteln verhindern will -inklusive „erfolgreichen“ kriegerischen Aktivitäten. Ob die Erweiterung des Gesetzes über die Todesstrafe dazu gehört, vermag ich nicht zu beurteilen, jedenfalls ist es ein weiterer Schritt in Richtung totalitärer Unrechtsstaat. Bleibt zu hoffen, dass die Gewaltenteilung im Gegensatz zum Kriegsgegner Iran noch funktioniert und das Gesetz vom Obersten Gerichtshof kassiert wird.
Dennoch will ich an dieser Stelle an der ursprünglichen Ankündigung festhalten und dem unsäglichen Antisemitismus auf der Spur bleiben, der mit dem Massaker am 7. Oktober neue Dimensionen erreicht hat. Es gilt das nach wie vor unglaubliche Phänomen zu erklären, warum der Judenhass (universal) zunimmt, wenn Juden massenweise zu Opfern gemacht werden. Am 7. Oktober 2023 ausdrücklich in genozidaler Absicht, wie die Täter der Hamas immer wieder erklärt haben. Warum funktioniert die Täter-Opfer-Umkehr gerade auch in linken, woken, akademischen Kreisen besonders nachhaltig, so dass Hannah Arendts Bemerkung gültiger denn je ist: „ Vor Antisemitismus ist man nur auf dem Mond sicher!“

Der „ARD-Weltspiegel" vom 8. Februar 2026 brachte ein denkwürdiges Interview zum 1. Jahrestag der Freilassung von Eli Sharabi. Es sollte Pflichtprogramm sein für alle, die sich zu Gaza, Israel und Nahostkonflikt äußern. Es beginnt mit einem Strandspaziergang nördlich von Tel Aviv, die Wellen rauschen, der Himmel ist blau, aber nichts ist gut. Rückblende: Bilder vom Massaker der Hamas im Kibbutz Beeri sind zu sehen. Eli wird gekidnappt, er kann noch seiner Frau und seinen beiden Töchtern zurufen:„Ich komme wieder zurück!“ Er wird nach Gaza gebracht, wo ihn ein Mob von Zivilisten lynchen will. Die Terroristen verhindern das, er wird noch gebraucht.
30. November 2024
Von Karl-Heinz zu Jochanan: Der Weg eines Mannheimer Jeckes
Gebundene Ausgabe – 22. November 2024
Die Lebenswege der beiden Mannheimer Brüder Karlheinz (Jochanan) und Gerhard (Jerry) Valfer sind ein weiteres Puzzleteil in der reichen Geschichte des hiesigen Jüdischen Lebens. Aus einem harmonischen und durchaus gehobenen Familienleben herausgerissen, verlaufen die Schicksale völlig unterschiedlich, erleben die Brüder während des Naziregimes Willkür, Lager, Kampf, Not und Elend, finden sich jedoch nach dem Krieg wieder. Dennoch gibt es keinen gemeinsamen Weg, Jochanan bleibt in Israel, Jerry in den USA, auch wenn die Familien trotz der großen räumlichen Distanz sich freundschaftlich verbunden sind. Heinz Sigmund hat die Geschichte der beiden Brüder anhand der Tagebuch-Aufzeichnungen von Jochanan, mit dem er befreundet war, und der Dokumentation von Jerrys Lebensweg im Archiv der Spielbergschen Shoa-Stiftung nachgezeichnet und durch zahlreiche Erläuterungen ergänzt.